5 Tage in Seoul

Bereits zum fünften Mal in den letzten zwei Jahren, kam ich am 22. Oktober in Südkorea an. Aber zum ersten Mal hatte ich ein paar Tage, welche ich komplett nach freien Stücken verplanen und verbringen konnte. Ganz ohne jegliche Verpflichtungen für den Verband, hatte ich vor dem Besuch des IeSF Grand Finals in Daegu ein paar Tage Ferien in Seoul angehängt.

Nachdem ich von Tokyo via Bejing geflogen bin, bin ich am Freitag Abend spät in Seoul angekommen. Zwischendurch sah es so aus, als ob ich in China einen unfreiwilligen Zwischenstop einlegen müsse. Der Flug von Tokyo nach Bejing hatte genug Verspätung, dass die komfortable 2.5 Stunden Umsteigzeit auf weniger als eine halbe Stunde geschrumpft ist. Von Flughafenpersonal wurde ich, gemeinsam mit zwei anderen Passagieren, durch das Terminal gehetzt. Auf dem Weg dorthin passierten wir Schranken und Gänge durch welche man als Passagier sonst gar nicht durch darf. Als einer der Letzten, konnte ich dann doch noch ins Flugzeug nach Seoul einsteigen. Mit meinem Gepäck hatte ich eigentlich gar nicht mehr gerechnet. Wider erwarten kam es trotzdem in Seoul an. Ich frag mich heute noch wie es so schnell vom einen Flugzeug ins andere gekommen ist.

Seoul ist die Hauptstadt von Südkorea. In der Stadt leben circa 10.5 Millionen Menschen. Zählt man die Metropolregion (Sudogwon) dazu, steigt die Einwohnerzahl auf 23 Millionen Menschen. In der Metropolregion Sudogwon befinden sich auch weitere Millionenstädte wie Incheon und Suwon. Seoul wird von einem Fluss Namens Hangang geteilt.

Die erste Reise in Seoul führte mich mit dem letzten Bus noch ins Hotel, welcher der Belgische Freund, der am nächsten Tag in Seoul ankommen sollte, gebucht hat. Mangels Alternativen musste er ein “etwas teureres” Hotel buchen. Dabei handelte es sich um das Imperial Palace Hotel von Seoul. Gemäss meinem Reiseführer über Seoul, sollte es eines der Top-Adressen Seouls sein. Dort angekommen verstand ich auch gleich warum der Autor dies so beschrieb.

Am nächsten Tag habe ich bereits am Vormittag die Gegend etwas erkundet. Das Quartier in welchem sich das Hotel befindet, nennt sich “Gangam-Gu” und besteht aus vielen Büro-Gebäuden und Geschäftern. Gangnam-Gu befindet sich südlich des Flusses Hangang verhältnismässig nahe vom Olympischen Dorf gelegen. Nur ein paar Gehminuten vom Hotel entfernt, fand ich dann die erste Attraktion: den Seonjeongneung Park.

Seonjeongneung

Dabei handelt es sich um eine Parkanlage rund um die Grabmäler von zwei Königen der Joeson-Dinastie. Rund um die Gräber von King Seongjong (r. 1469–1494) und seinem Sohn Jungjong wurde eine schöne Parkanlage erbaut, welche mitten in den Wolkenkratzern der Millionen Metropole eine “Central-Park” ähnliche Stimmung ausstrahlt. Kaum betritt man den Park, wirkt die Stadt weniger laut und hektisch.

DMZ – Demilitarisierte Zone

Eigentlich hätte ich ja gerne einen Ausflug nach Nordkorea gemacht. Wegen den politischen Spannungen in den letzten Jahren, wurden diese Touren, welche ohnehin nur für Touristen zugänglich waren, im Jahr 2008 eingestellt. Es ist auch nicht absehbar ob und wann diese wieder fortgeführt werden. Also haben wir uns für eine Tour in die DMZ entschieden. Die DMZ ist ein circa 4km breiter Streifen, welcher die beiden Koreas voneinander trennt. Auf beiden Seiten der DMZ bewachen Soldaten der beiden Länder ihre Grenze. Dazwischen befindet sich ein Stützpunkt der UNO, welche den Waffenstillstand überwacht. Da bis heute noch kein Friedensvertrag unterschrieben wurde, befinden sich die beiden Länder noch in einem Zustand des Waffenstillstandes.

Die Tour zur DMZ startete direkt bei uns im Hotel, wo wir von einem Reisebus abgeholt wurden. Nachdem wir noch bei ein paar weiteren Hotels in Seoul andere Leute aufgeladen haben, fuhren wir in Richtung DMZ. Der nächste Grenzpunkt von Seoul aus gesehen liegt circa 55km nördlich von der Hauptstadt. Ich empfand es als eindrücklich, dass einer der brisantesten Punkte der Welt so nahe an einer der grössten Metropolen liegt.

Bei der DMZ angekommen, mussten wir auf einem Parkplatz den Bus wechseln, weil die Fahrzeuge der Tour-Veranstalter nicht zugelassen sind in der DMZ. Der Busbahnhof erinnerte mich an eine Art Schweizer Chilbi mit Asiatischen Imbissbuden. Zum Glück wurde es für den weiteren Verlauf der Tour weniger touristisch.

Nach einer kurzen Pause fuhren wir mit dem DMZ-Bus dann ins innere der DMZ. Wir wurden noch instruiert wie wir uns in der DMZ zu verhalten haben. Es ist zum Beispiel verboten aus dem fahrenden Bus zu fotografieren. Fotos dürfen sowieso nur dort gemacht werden, wo es explizit erlaubt ist. Ein weiterer Punkt sind die Aufenthaltszeiten. Die Tour-Veranstalter haben strenge Vorlagen, wann und wie lange man sie sich an einem Punkt aufhalten darf. So wurde uns jeweils bei einem Stop mitgeteilt, wie lange wir dort sein dürfen, bis die Tour weiter geht.  Bei einer Grenzkontrolle, überprüften Südkoreanische Soldaten unsere Ausweise.  Der Bus fuhr  als erstes in Richtung des “3rd Tunnels”. Die Strassen waren auf beiden Seiten von Zäunen umgeben, weil das Gebiet durch welches wir fuhren auch noch heute voller Landminen ist. Da diese im grossen Stil abgeworfen wurden, weiss heute niemand so recht wo sich noch Minen befinden, was die Aufräumaktionen umso aufwändiger machen.

Beim 3rd Tunnel angekommen, hatten wir noch eine weitere kurze Pause. Beim dritten Tunnel handelt es sich um eine von 4 unterirdischen Tunnels, welche von Nordkorea in Richtung Seoul gehen sollten. Durch diese Tunnels sollten Angriffe auf die Südkoreanische Hauptstadt lanciert werden. Im Jahre 1978 wurde das dritte Tunnel entdeckt, weil ein Nordkoreanischer Ingenieur in den Süden flüchtete und davon berichtete. Die Tunnels wurden so gebaut, dass eine grosse Anzahl von Soldaten innert kürzester Zeit nach Seoul gebracht werden konnten. Die vier heute bekannten Tunnels erreichten Seoul aber nie, bevor sie entdeckt wurden. Nach der Entdeckung der Tunnels behauptete die Regierung in Nordkorea jeweils, dass es sich um Bergwerke handelte, was aber in diesem Gebiet aufgrund des Rohstoffarmen Gesteines sowieso nicht möglich war. Das dritte Tunnel wurde auf der nördlichen Seite zugeschüttet als es von den Südkoreanern entdeckt wurde.

Heute führt ein Abstieg zum eigentlichen dritten Tunnel. Ein circa 300 Meter langer Gang führt hinunter zum südlichen Ende des Tunnels. Die Sicherheitsauflagen erforderten, dass keine Fotos gemacht werden durften, daher mussten man den Fotoapparat in einem Schliessfach deponieren. In Zeiten von Foto-Handys, sollte dies aber für die wenigsten Leute ein Hindernis sein um doch noch ein Erinnerungsbild zu machen.

Das Tunnel selber ist lediglich 1.6 Meter hoch und kaum breiter. Damit wir uns nicht die Köpfe blutig schlugen, wurden Helme verteilt. Der begehbare Teil des Tunnels ist heute knapp 300 Meter lang. Bedenkt man wie ungeschickt wir Touristen uns angestellt haben, ist es fast unvorstellbar, dass die Nordkoreaner 30’000 Soldaten innert einer Stunde durch ein solches Tunnel schleusen konnten.

Der nächste Stop war dann eine Aussichtsplattform von welcher man nach Nordkorea sehen konnte. Die Restriktionen um Fotos zu machen, ist dort besonders hart. Vorne an der Aussichtsplattform befinden sich Fernrohre, wie man sie auch hier oft sieht, welche man mit ein paar hundert Won füttern muss. Wer aber Fotos machen will, darf eine zwei Meter dahinter liegende Linie nicht überschreiten. Die Soldaten setzen dies auch sehr konsequent durch.  So konnte ich lediglich ein paar Schnappschüsse von weit hinten mit der Kamera über den Kopf gestreckt machen. Also alles “Glücktreffer”.

Der letzte Stop der Tour innerhalb der DMZ war dann noch ein Bahnhof, welcher gebaut wurde, um eine Zuglinie zwischen den beiden Koreas zu erstellen. Aber auch diese Linie ist seit einiger Zeit nicht mehr in Gebrauch. So ist der topmoderne Bahnhof auch nur eine Touristenattraktion.

Die Tour war sehr interessant und auch eindrücklich. Erst da wurde mir klar, dass es sich bei dieser DMZ nicht nur um eine “pro forma” Grenze handelt, sondern der Konflikt noch sehr präsent ist.

Während den fünf Tagen habe ich natürlich auch vieles von Seoul selber gesehen und wenn immer möglich viele Bilder gemacht. Leider hatte ich die Kamera bei der Tour nicht dabei, als wir Abends durch Seoul gezogen sind.

Die Besichtigung einer Tempel-Anlage stand natürlich auch auf dem Programm. Der Reiseführer hat uns empfohlen Gyeongbokgung, eine der grössten Anlagen zu besuchen. Viele der Gebäude wurden über die Jahre hinweg immer wieder restauriert, wodurch sie noch so wirken sollen wie damals als sie erbaut wurden. Gyeongbokgung besteht aus vielen einzelnen Tempelgebäuden. Wenn man vom Haupteingang kommt, wirkt das Gelände wie eine “Zwiebel” mit mehreren Schichten von Gebäuden, bis man in den im Inneren liegenden Park gelangt.

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