Die letzten Tage von San Francisco

“Meine letzten Tage in San Francisco”, wäre wohl eher richtig, aber kein so reisserischer Titel. Auch ich will ja meine Leserzahlen halten und steigern.

Nachdem ich aus dem grossartigen Fresno zurückgekommen bin, hatte ich noch ein Wochenende in San Francisco, bevor es dann nach New York ging. Nach knapp 4 Wochen rumreisen und meistens ein gutes und günstiges Motel zu finden, wurde ich leichtsinnig. Ich hätte es wissen sollen, am Freitag Abend ein Motel in San Francisco zu finden, ist nicht einfach. Vor allem, wenn man dann nicht so viel Geld ausgeben will. Die ersten 15 Motels und Hotels hab ich mit meinem schlauen “HotelSavings” Heft durch telefoniert, und hatte nach ein paar (erfolglosen) Anrufen bereits einen Standard Spruch, den ich kaum hat jemand abgenommen herunter geträllert habe.

Später hab ich mich dann mit dem Notebook in ein offenes WLAN eingeloggt um nach Hotels zu suchen. Ich sag nur Free the Net !!!
So musste ich mich bis am Sonntag halt in ein Hotel einquartieren, welches mit 150$ fast doppelt so teuer war, wie ich eigentlich geplant habe. Dafür war es einigermassen zentral gelegen. Die letzte Nacht hab ich dann wieder im Motel mit dem tollen Pool im Innenhof verbracht. Beim einchecken, wurde ich gleich auf eine Suite “upgegradet”. Eine Suite in einem Motel scheint einfach ein grösseres Fenster und noch ein Ecksofa zu haben.

Das letzte Weekend in San Francisco bestand aber nicht nur aus Hotel suchen und ein- und aus-checken. Das hätte ich in Fresno genauso gut machen können.

Am Freitag Abend hatte ich noch das Mietauto, also haben die Maria Luisa (eine der lustigen Italienerinnen vom Filmabend) und ich eine weitere lustige Italienerin (Francesca) am Flughafen abgeholt. Der Flughafen in San Francisco ist recht gross aber ziemlich übersichtlich. Entweder man parkt (oder parkiert) im Parkhaus und geht zum entsprechenden Terminal (nach Fluggesellschaften unterteilt) wo man dann direkt bei der Gepäckannahme (also wirklich beim Rollband) auf die Leute wartet.

Die Alternative, wenn man pünktlich oder sogar zu spät kommt, ist eine Art Boxengasse. Gleich nach der Gepäckannahme, gelangt man als Passagier nach draussen. Dort können Taxis, Busse und Autos kurz anhalten und einladen. Wir haben uns für diese Variante entschieden, da wir nicht noch Geld fürs Parkhaus bezahlen wollten (werd ich etwa geizig???). Wir waren aber zu früh dort. Somit mussten wir immer die ganze Runde, an allen Terminals vorbei, machen. Jeweils beim entsprechenden Terminal angekommen, hielt ich dort an bis wieder das gepimpte Golfwägelchen kam auf dem “Traffic Control” stand. Ich wurde dann ziemlich deutlich darauf aufmerksam gemacht, dass ich doch weiterfahren soll. Entweder mit einer grellen Taschenlampe, welche er wild herum schwang, oder mit einem nervigen Hupen (wie Herbie der rasende Käfer).

Am Samstag hab ich dann mal wieder ausschlafen können. Ich konnte die letzten Wochen selten länger als bis 9 Uhr schlafen. Meist lag dies weniger an meinem dicht gedrängten Tagesablauf, als an der Tatsache, dass ich einfach gegen 9 Uhr wach war und nicht mehr schlafen konnte. Aber die letzten Tage spürte ich die Müdigkeit vermehrt. was auch nicht besonders erstaunlich sein sollte. So war ich in den letzten 4 Wochen doch meistens den ganzen Tag unterwegs und auch Abends nur 2-3 Mal im Hotel.

Am Abend hab ich dann noch einen Buchladen gesucht, und nach langem suchen auch gefunden. Ich kenne mich inzwischen in San Francisco ein wenig aus. Damit meine ich, dass ich die wichtigsten Sachen finde. Ich zweifle aber, dass ich jeweils den optimalen und schnellsten Weg nehme. Das Bus-System hab ich irgendwie auch noch nicht verstanden. Die scheinen keinen fixen Fahrplan zu haben. Dazu kommt noch, dass wohl die Hälfte der Linien jeweils nur am Wochenende, während der Woche, am Abend oder am Morgen oder Keltischen Feiertagen in Betrieb sind. Also hab ich mich meistens von meinen Füssen tragen lassen, bis ich dort war oder nicht mehr konnte. Zu meiner Verteidigung muss ich sagen, dass erstgenanntes viel häufiger vorkam.

Am Sonntag hab ich den Tag mit einem Brunch im Italienischen Teil der Stadt verbracht. Paolo (der lustige Italiener vom Kino) feiert momentan seine Abschiedswoche aus San Francisco. Nachdem er jetzt knapp zwei Jahre lang dort an der University of California an etwas geforscht hat, was ich immer noch nicht verstanden habe, kehrt er jetzt dann zurück nach Mailand um dort dasselbe zu machen. Ich glaube er hat das vorher schon in Mailand gemacht. Wie auch immer.
Nachdem die vergangene Woche in San Francisco eher neblig und kühl war, schien am Sonntag erstmals wieder richtig die Sonne. So konnten wir unsere “Openfaced Sandwiches” draussen auf dem Park essen. Ein “openfaced Sandwich” ist einfach ein Sandwich bei dem der obere Teil fehlt. Bei uns ist das ein Canape (also nicht das Sofa, sondern Toast mit Essen drauf).

Da dies mein letzter Tag war, wollte ich mich noch von weiteren Leuten verabschieden, welche ich hier kennen gelernt habe. Maggie und ihr französischer Freund Emanuell haben mich gefragt ob ich sie an eine Eröffnung einer Galerie begleiten möchte. Was macht man nicht alles um nette Leute zu treffen? Die Galerie war nicht so interessant und die ausgestellte Kunst hat jetzt keine besonderen Emotionen in mir geweckt. Was ich natürlich niemandem gesagt habe, sondern meine Begeisterung auf amerikanische Art und Weite kund tat (WOW, Incredible, niiiiiiiice …). Die Künstlerin, welche in den 80ziger Jahren einmal eine Ausstellung in Zürich hatte, wollte mir erklären, dass sie bei ihrem Aufenthalt in der Schweiz auf einem Berg war der ihr besonders gefiel. Nachdem ich die üblichen Verdächtigen aufgezählt habe, haben wirs dann aufgegeben. Jetzt fällt mir ein, dass ich gar nicht gefragt habe obs der Bachtel (Hinwiler Hausberg) war. Muss wohl der Bachtel gewesen sein ;).

Danach wollten wir drei noch einen Kaffee trinken gehen, aber als die Maggie gesehen hat, dass es in einer Bar Sangria gab, war die Begeisterung für Kaffe komplett weg. Die 3 Gläser Sangria auf leerem Magen und danach an die pralle Sonne zu gehen, haben mir auf jeden Fall nicht sehr gut getan.

Am Abend hab ich mich dann wieder mit den drei Italienern zum Essen getroffen. Wir waren Vietnamesisch Essen. Die Mahlzeit war sehr gut, aber wie immer zu gross. Ich war aber der einzige, welcher seine Schüssel nicht geleert hat. Wenn es diese Tage in San Francisco regnen sollte, ist das also meine Schuld. Ist mir aber auch egal.

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