Von den American Gladiators zur Reality Show

Das Ende der CGS ist noch nicht lange her, und die Protagonisten haben noch nicht alle ein neues Zuhause gefunden. Wie so mancher, der sich für E-Sport interessiert, habe ich es positiv empfunden, dass die CGS mit ihrem sehr showlastigen Konzept keinen Erfolg hatte.

Natürlich soll E-Sport unterhaltsam sein und die Leute begseistern können. In den letzten Jahren habe ich verschiedene Veranstaltungen wie ESWC 2007, EPS Final-Events und IFNGs in Deutschland und der Schweiz besucht. Diese Events haben mir gezeigt, dass die Art von E-Sport wie er sich in den letzten Jahren entwickelt hat, zumindest für uns Europäer eine gute Mischung aus Sport und Entertainment sein kann.
In den USA sieht das Ganze natürlich etwas anders aus. Bereits anhand der traditionellen Sportarten erkennt man, dass am anderen Ufer (geographisch gesehen) nicht dieselben Interessen bestehen. Anstelle von Fussball spielt man American Football und die Formel 1 fristet ein Schattendasein, verglichen mit IndiCar und NASCAR.

Die CGS machte den ersten Versuch und wollte E-Sport in den USA “veramerikanisieren”. Anstelle von einem interessanten Produkt, welches die Massen begeistern konnte, entstand ein “American Gladiators”-Klon. Das einzig spannende an der CGS waren die Drafts, bei denen die Spieler für die verschiedenen Disziplinen ausgesucht wurden.

Danach bestand die Season aus Events an welchen kuriose Spiele in noch kurioseren Spielweisen präsentiert wurden. Um dies dann noch abstrakter zu machen, hat man die gewonnenen Runden (Counter-Strike Source) mit den erzielten Toren (FIFA), erkämpften Spielen (Dead or Alive) und den gewonnenen Rennen (Project Gotham Racing) addiert. Wer dann am Schluss am meisten Punkte hatte, verliess die Begegnung als Sieger.
Um eine lange Geschichte, die gar nicht so lange dauerte abzuschliessen, bleibt nur zu sagen, dass das Projekt in Europa gar keinen Anklang fand. In Amerika reichte es auch nicht um in die dritte Season zu starten. So beschloss man sich dem Trauerspiel ein Ende zu setzen. Die einzigen die mit einem blauen Auge davon gekommen sind, sind die Counter-Strike 1.6 Spieler, diese scheinen wieder etwas aufbauen zu können, was die CGS in den Tiefschlaf versetzt hat. Die anderen Disziplinen wurden ins Koma versetzt, von welchem sie wohl nicht so schnell erwachen können.

Jetzt schreiben wir das Jahr 2009, der Untergang der CGS ist besiegelt und neue Formate müssen her. Eines der Probleme der CGS soll die fehlende Identifikation mit den Spielern gewesen sein. Angeblich konnten sich keine Fanscharen hinter den einzelnen Akteuren bilden.
Die Leute hinter der WCG-USA haben sich gedacht, dass denselben Fehler nicht machen und bauen eine Reality-Show rund um das Thema E-Sport bzw. Gaming. Die WCG sucht den “Ultimate Gamer”. Dieser soll nicht nur in einzelnen Games gut sein, sondern in einer ganzen Palette von vermutlich E-Sport fremden Spielen, gut abschneiden. Da dies aber in einer ähnlichen Form bereits einmal schiefging, kommen noch zwei Komponenten dazu, die eine gewisse Erfolgsgarantie haben.

Zum einen werden diese Ultimate Gamer das was sie virtuell machen, auch noch in Echt nachmachen müssen. Dazu gehört Auto fahren, kämpfen, Paintball spielen etc.

Um ganz sicher zu gehen, kriegt die Sendung noch einen Hauch von Reality-TV. Die Kandidaten werden in derselben Wohnung leben, trainieren, spielen und machen was auch immer Ultimate Gamers so machen.

Mich erinnert das an die zahlreichen MTV-Formate, welche unter verschiedenen Vorwänden Leute in ein Haus zwängen und sie dort gegeneinander antreten lassen. Insofern ist die Idee weder neu, noch besonders originell. Würde diese Sendung auf MTV oder einem anderen “Musik”-Kanal in Sendung gehen, wäre das eine logische Konsequenz aus der unglaublich langweilligen Programmentwicklung der letzten Jahre. Der ultimative Spieler wird auf einem Sci-Fi Channel gesucht. Gaming bzw. E-Sport wird also als Science Fiction angesehen. Damit ignoriert man die Tatsache, dass Games mitlerweile zu einem wichtigen Bestandteil der heutigen Jugendkultur geworden sind. Unter dem Vorwand von Science Fiction braucht man auch keinen Bezug zur Realität zu bewahren.

Als E-Sport Interessierter macht mir dieses Format schon eher Sorgen. Der Ultimate Gamer wird kein E-Sportler sein. Er oder sie wird weder besonders gut Halo, FIFA, PGR oder sonstwas spielen können. Er oder sie kann einfach alles besser als die anderen und ist dazu noch gut diese Dinge ausserhalb der Virtuellen Welt umzusetzen.

Durch die Tatsache, dass diesem Titel noch das WCG-Label aufgesetzt wurde, wird es aber für den Zuschauer nicht möglich sein zu unterscheiden wer jetzt wirklich ein WCG E-Sportler ist und wer ein Ultimativer Gamer. Wie soll diese Differenzierung nach aussen kommuniziert werden?

Die Unterschiede von E-Sport wie er in Europa und den USA betrieben wird, zeigen auf wie unterschiedlich die Auffassung von Sport und Unterhaltung ist. Bis jetzt scheint Europa gegenüber den USA aber die Nase vorne zu haben, wenn es darum geht nachhaltige E-Sport Formate zu erfinden. Produkte wie die ESL, ESWC (Solange das Grand Final in Paris ist) und World Cyber Games sind erfolgreich und erfreuen sich steigender Zuschauerzahlen.

In Süd-Korea legt man grossen Wert auf den Show-Charakter, lässt den sportlichen Aspekt nicht aussen vor. Dort hat man verstanden, wie eine Show rund um den Sport gemacht werden kann, anstatt aus dem Sport eine Show zu machen.

Das neue Format der WCG lässt sich aber leichter wieder Absetzen als die CGS, da die Geschichte als geschlossenes Kapitel angesehen werden kann.
Die Amerikaner gehen aber mit der CGS und jetzt mit dem Format WCG Ultimate
Gamer vielleicht wieder etwas zu weit. Beyond the game….

Trailer zum Ultimate Gamer: WCG Ultimate Gamer

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